Exkursionsbericht Miltenberg und Umgebung

 Am 13. September 2019 brachen wir gemeinsam in Bamberg auf, um die Sonderausstellung „Miltenberg Maps“ im Stadtmuseum von Miltenberg zu besuchen.

 

Nachdem wir in Miltenberg (1237 erstmalig erwähnt, seit 1816 gehört es zu Bayern) ankamen, verblüffte uns zunächst die touristische Auslastung der Fußgängerzone und das hohe Angebot an Cafés und kleineren Läden. Später sollten wir feststellen, dass dies mit der Flusskreuzfahrt und dem nahegelegenen Mainanleger zu erklären war.

Fußgängerzone mit Hotel "Zum Riesen" © Simon Ernst
Fußgängerzone mit Hotel "Zum Riesen" © Simon Ernst

Die Sonderausstellung „Miltenberg Maps“ stellte ihre besondere Kartensammlung in einem Einzelraum an ca. 20 Schautafeln dar. Aufgrund der prägnanten Infotexte gelang es weniger lokale Spezifika herauszustellen, sondern vielmehr die Entwicklung der Kartographie inklusive des Verlagswesens und der technischen Veränderungen übersichtlich zu erläutern. Auf den Originalkarten versuchten wir uns zu orientieren und Besonderheiten festzustellen, was aufgrund der durchaus üblichen fehlenden Nord-Ausrichtung von Altkarten zuweilen etwas Zeit in Anspruch nahm. Nachdem wir jede Tafel eingehend studiert hatten, stand uns nun noch die eigentliche Ausstellung bevor. Durch die zahlreichen Räume, Treppen und Seitengängen wartete nach gefühlt jeder zweiten Kurve ein neues Thema der Stadtgeschichte.

Stadtmuseum Miltenberg © Simon Ernst
Stadtmuseum Miltenberg © Simon Ernst

Nach einer Mittagspause, dem studentischen Geldbeutel angepasst, gingen wir zur Etappe 3 des Museums über: die Burg Miltenberg mit einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst inklusive eines Blickes über die Stadt.

In der Kunstausstellung überraschte, zwischen mehr oder weniger verstörenden Eindrücken, eingerahmt von etlichen mittelalterlichen Ikonen, ein Porträt von Bismarck, dass einen recht unvermittelt anstarrte. Dieses war Teil des „Kunst geht fremd“ Projekts, dass unterschiedliche Exponate aus ihrem Kontext reißt und kurzzeitig in anderen sujetfernen Ausstellungen unterbringt. Das Ziel des Projekts, zu irritieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen, wurde jedenfalls bei uns erreicht.

Den Blick vom Bergfried der Mildenburg aus ließen wir etwas länger als nötig schweifen – eventuell auch, da wir von den Eindrücken schon etwas erschlagen waren und die Augen sich in der Fernsicht entspannen konnten.

Blick über Miltenberg vom Bergfried der Mitenburg © Simon Ernst
Blick über Miltenberg vom Bergfried der Mitenburg © Simon Ernst

Nach Ablauf der angesetzten Zeit in Miltenberg traten wir die Reise Richtung Unterkunft in Michelstadt an.  Nach – natürlich beabsichtigtem – Umweg über Amorbach erreichten wir den Kiosk, der uns für die Schlüsselübergabe zu unserem kleinen Ferienhaus – einem alten Waschhaus mit ausziehbarer Treppe zum Schlafraum – angegeben wurde. Da die Minibar nicht mini war, sondern eher ein ausgewachsener Kühlschrank, zudem noch mit moderaten Preisen, fühlten wir uns gut versorgt. Außerdem, so wurde uns schnell verkündet, das erste Getränk in der angrenzenden Kneipe (die kurz zuvor noch der Kiosk war) ging auf‘s Haus. Mit Pommes, Bier, Tischkicker und nach einem wohl unvermeidbaren Ausflug zur Minibar, ließen wir den ersten Exkursionstag ausklingen.

Die Unterkunft in Michelstadt © Simon Ernst
Die Unterkunft in Michelstadt © Simon Ernst

Am nächsten Tag stand vorrangig der Besuch des „Deutschen Elfenbeinmuseum“ im Schloss Erbach auf dem Programm. Nach dem Hinweis, dass in Michelstadt jedoch das berühmte historische Rathaus von 1484 steht, blieb eine kurze Wanderung ins Stadtinnere natürlich nicht aus. Begrüßt wurden wir dort von einer Blasmusikkapelle - in Form einer Lautsprecherbox hinter dem Bratwurststand - und Bierbänken anlässlich des Festes der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt. Wir konnten leider nicht teilnehmen – die Exkursionsplanung sah eine pünktliche Ankunft in Erbach vor. Als Vorgeschmack und zu unserer Verwirrung fanden wir bereits in Michelstadt ein „Deutsches Elfenbeinmuseum“ vor – das jedoch mehr als Verkaufsort von Raritäten und Schauwerkstatt diente.

Am Schloss Erbach angekommen, begutachteten wir zunächst den Museumsshop, auch um festzustellen, ob und welche Art Elfenbein hier zum Verkauf stand. Die Lösung: Schmuck aus Mammut-Elfenbein und aus Ersatzstoffen wie beispielsweise der Steinnuss oder Taguanuss. Hintergrund: Im Jahr 1989 wurde der Handel und die Verarbeitung von Elefanten-Elfenbein weltweit verboten. Zuvor eingelagertes Elfenbein darf heute nur noch zu Restaurierungszwecken verwendet werden.

Die angebotenen Bücher des Shops arbeiteten sich durch die gesamte Geschichte der Herrscher und des Adels – keine Überraschung – ist die Ausstellung doch Teil der Gräflichen Sammlungen des Schlosses.

 

Nun zur eigentlichen Ausstellung im Deutschen Elfenbeinmuseum, die zwar ein kurzes, aber doch eindrucksvolles Erlebnis bietet. Das Areal der Ausstellung ist bis auf die jeweiligen Vitrinen abgedunkelt und auch die Wege und Wände sind schwarz gehalten. Da es in der gesamten Ausstellung keinerlei Infotafeln gibt, nahmen wir die Audio-Guides dankend an.

Schloss Erbach © Simon Ernst
Schloss Erbach © Simon Ernst

In einem modern gestalteten Raum erfuhren wir durch eine audiovisuelle Wiedergabe von fiktiven wie echten Tagebucheinträgen des Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823) mehr über seine Bildung, seine aufgeklärte Politik und die Entwicklung der Elfenbeinschnitzerei in Erbach.  Unter anderem wurde erzählt, dass die Firma Koziol, heute Hersteller von Designwohnaccesoires, zur Gründung Ende der 1920er eine Elfenbeinschnitzerei war. Graf Franz I. wurde als gebildeter Herrscher beschrieben, der seinen Untertanen erfolgreich einen neuen Wirtschaftszweig, die Elfenbeinschnitzerei, erschloss. In der Tat etablierten sich die Odenwälder Schnitzer, die vereinzelt heute noch ihre Werkstätten betreiben.

Auf die zahlreichen ausgestellten Schnitzereien, nach Zeit der Herstellung sortiert und somit Abbild des jeweiligen Kunst- und Modeverständnisses, kann hier nicht näher eingegangen werden.

Ansonsten ging es im Elfenbeinmuseum wenig um den eigentlichen Handel oder die Gewinnung von Elfenbein und welche Auswirkungen diese auf den afrikanischen Kontinent und generell die Elefantenpopulation hatte. Durch die Darstellung wurde eher Bedauern erzeugt, dass die sich reich wähnenden Besitzer von Unmengen Elfenbein durch das Handelsverbot schlagartig ihr beträchtliches Vermögen entwertet sahen.

 

Im letzten Raum konnte man schließlich den eigentlichen Rohstoff begutachten und erfühlen: Stoßzähne von Elefanten, ein Teil der rechtmäßig vor 1989 eingelagerten Stoßzähne, und auch einen Mammut-Stoßzahn, geborgen in Sibirien.

Rekonstruierter Limeswachturm bei Vielbrunn © Simon Ernst
Rekonstruierter Limeswachturm bei Vielbrunn © Simon Ernst

Da wir den Wanderparkplatz für den Beginn unserer folgend angedachten „Brunnenwanderung“ nicht auf Anhieb finden konnten, disponierten wir um und besichtigten stattdessen einen rekonstruierten römischen Wachturm des Odenwaldlimes zwischen Michelstadt und Vielbrunn.

 

Nach reichlich Ausblick aufs grüne Feld fuhren wir weiter zu unserer allerletzten und spontan eingebauten Station: wir spazierten um das umzäunte Anwesen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, dass uns jedoch bis auf die imposante bis übertriebene Größe des Komplexes, nicht viel vermittelte. Als Kulisse für unsere Verabschiedung war es jedoch wiederum gut genug.

Schloss Löwenstein in Kleinheubach © Simon Ernst
Schloss Löwenstein in Kleinheubach © Simon Ernst

Mit vollem Kopf und müden Beinen waren wir nach der 36-Stunden-Exkursion wieder zurück in Bamberg – zwar ohne ECTS-Punkte, dafür aber mit einem schönen Erlebnis und reichlich Eindrücken und Demonstrationen von Wissensvermittlung.

 

Text: Aimnos