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Bericht Historisch-Geographisches Wochenende Sulzbach-Rosenberg 13.-15. Februar 2020

Am Donnerstagabend stiegen wir aus Bamberg kommend an der Haltestelle Sulzbach-Rosenberg Hütte aus – ein Erlebnis was übrigens nur noch zweimal täglich möglich ist. Der Zusatz „Hütte“ bezieht sich dabei auf das Stahlwerk Maxhütte, benannt im Jahr 1853 nach dem bayerischen König Maximilian II. Mehr als hundert Jahre nach ihrer Gründung erfolgte 1987 der Insolvenzantrag und im Jahr 2002 die Einstellung des nachfolgenden Maxhütte-Stahlunternehmens. Der Abbau ist bereits weit fortgeschritten. Ein Hochofen soll jedoch zumindest als Schaudenkmal erhalten bleiben, wobei das Finanzierungs- und Nutzungskonzept noch offen ist. Das 40 Hektar große Areal und auch die Stadtstruktur von Sulzbach-Rosenberg zeugen von den einstigen Ausmaßen und vom großen Einfluss der Maxhütte auf Stadt und BewohnerInnen. Auch unsere Unterkunft, das ehemalige Gesundheitshaus der Maxhütte, zählt zu den Überbleibseln der betrieblichen Versorgungsstrukturen. 

Blick von der Unterkunft auf die Maxhütte © Simon Ernst
Blick von der Unterkunft auf die Maxhütte © Simon Ernst

Unseren Abend verbrachten wir mit gutem Oberpfälzischem Bier und guten Gesprächen in eben jener Unterkunft. Unter anderem wurde die Überführung des Vereins Historische Geographie Bamberg e.V. in eine Geographische Gesellschaft diskutiert.

Der Dienstag war für einen Vortrag über die Maxhütte, für einen Besuch des Literaturarchivs und für einen Rundgang über den sanierten Schlackeberg reserviert. Manfred Leiss teilte uns in seinem Vortrag vieles über die Vergangenheit in der Maxhütte, die wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklungen, historischen Hintergründe aber auch über die betriebliche Sozialpolitik und die Arbeitskämpfe in der Stahl- und Bergbauindustrie mit. Als ehemaliger Arbeitsdirektor der Maxhütte gab er uns viele spannende Einblicke und neue Perspektiven. So ist die Geschichte des einige Tage andauernde Bierstreiks 1960 auch heute eine gerne zitierte Begebenheit. Der wilde Streik wurde damals angetreten, da die Betriebsleitung den Bierverkauf im Werk unterbinden wollte, um Arbeitsunfälle zu vermeiden. Der Schiedsspruch hatte zur Folge, dass pro Belegschaftsmitglied und Schicht maximal 0,5 Liter Bier konsumiert werden durften. Wesentlich schwerwiegender waren jedoch die Arbeitskämpfe in Zeiten des absehbaren Konsurses.

 

Positiv überrascht waren wir von der Übergabe eines stalaktitischen Brauneisenerzbrockens aus der Schachtanlage Maffei (bei Auerbach i.d.OPf.). Mit diesem Mitbringsel, das nun im Hochzeitshaus in Bamberg aufbewahrt wird, wird der Besuch in der Tat unvergesslich bleiben. Zusätzlich haben wir auch einige Bücher zur Maxhütte sowie eine Ausgabe von Putzgers Historischem Schulatlas überreicht bekommen, die unserer Bibliothek hinzugefügt werden.

Ein seltener Anblick: Stalaktitisches Brauneisenerz Am Kranen in Bamberg © Simon Ernst
Ein seltener Anblick: Stalaktitisches Brauneisenerz Am Kranen in Bamberg © Simon Ernst

Da uns der Vortragsraum freundlicherweise vom Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg (auch: Literaturhaus Oberpfalz) zur Verfügung gestellt wurde, nutzten wir die Möglichkeit und schauten uns noch die dortige Dauerausstellung an. Das Literaturarchiv, untergebracht im ehemaligen Amtsgericht, ist Ergebnis der Bemühungen um die Gruppe 47 und stellt heute einen der wichtigsten literarischen Forschungs- und Austauschorte in der Oberpfalz dar. Eine Besonderheit der Ausstellung ist der Koffer nebst dem Originalmanuskript des Günther Grass Romans „Die Blechtrommel“, die in Paris entdeckt wurden.

 

Nach einer kurzen Mittagspause im Altstadt Café und weiteren Einblicken in das bewegte Leben von Herrn Leiss machten wir uns auf den Weg zum sanierten und rekultivierten Schlackeberg. Hier lagert die Schlacke und andere Reststoffe aus über 100 Jahren Eisen- und Stahlerzeugung aufgeschichtet auf bis zu 55 m. Der künstliche Berg birgt aufgrund der hohen Schadstoff-, Öl-, und Schwermetallbelastung große Herausforderungen für den Umweltschutz. Freundlicherweise wurde uns der Zugang zum "Lehrpfad Deponie Schlackeberg" auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten gewährt und wir erhielten eine Führung mit technischen Details der Sanierungs- und Betriebsarbeiten, u.a. zur Filterung des Sickerwassers. 

Blick vom Schlackeberg auf Sulzbach-Rosenberg und die Maxhütte © Simon Ernst
Blick vom Schlackeberg auf Sulzbach-Rosenberg und die Maxhütte © Simon Ernst

Nachdem wir uns im Gästehaus aufgewärmt und ausgeruht hatten, machten wir uns abermals auf den Weg von Rosenberg nach Sulzbach. Im Sperberbräu fand unsere Gruppe Platz. Reihum tauschten wir uns über unsere derzeitigen wissenschaftlichen Projekte und Themen aus. Da dieser Programmpunkt viel Zeit in Anspruch nahm, wurde er noch nach Ladenschluss im Gästehaus fortgeführt. Die Nachtruhe hatte dann zwar wenig zu bieten, aber dafür waren alle gut informiert.

 

Am Samstag nutzten wir den Weg zum Bahnhof für einen Abstecher zum Aussichtspunkt auf dem Schlossberg. Das dortige Weltkriegsdenkmal ist neben Schlackenberg und der Wallfahrtskirche St. Anna eines der prägenden Aussichts- und Blickpunkte der Stadt. Es wurde 1929 auf Bestrebungen der Maxhütten-Leitung zu einem Kriegerdenkmal in Ehrung der Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Nachträglich wurde auch eine Plakette zum Zweiten Weltkrieg angebracht. Aufgrund der Überprägung der ehemals auf dem Plateau vorhandenen Burgruine der Rosenburg aus der Zeit um 1100 verlief die Errichtung nicht ohne Kritik.

Blick vom Schlossberg auf das Areal der Maxhütte und den Schlackeberg © Simon Ernst
Blick vom Schlossberg auf das Areal der Maxhütte und den Schlackeberg © Simon Ernst

Auf dem Weg vom Schlossberg zum Bahnhof bekamen wir schließlich noch einen Eindruck von den Strukturen der ehemaligen Werkswohnungen.

St.-Georg-Straße mit Schlossberg im Hintergrund © Simon Ernst
St.-Georg-Straße mit Schlossberg im Hintergrund © Simon Ernst

Text: Regener & Ernst

Bilder: Ernst